Wie viel braucht man zum Leben?
Das Existenzminimum hängt davon ab, wo man lebt – und unter welchen Umständen. Eins ist aber leider sicher: viele Studierende und Auszubildende sind armutsgefährdet.
Arm in einem der reichsten Länder der Welt
In der demokratischen Republik Kongo liegt das durchschnittliche Monatseinkommen bei 35 Euro. Das ist weniger, als viele Jugendliche als Taschengeld bekommen. Die demokratische Republik Kongo ist ein armes Land, in dem man schon mit ein paar hundert Euro im Monat zu den Wohlhabenderen gehört. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Doch auch bei uns gibt es viele Arme. Bei uns sind zwischen 13 und 16 Millionen Menschen armutsgefährdet, darunter viele Kinder und Jugendliche. Aber wie misst man das?
Relativ viele relativ arme Europäer:innen
In der Europäischen Union gibt es durch das EU-Programm SILC eine europaweit vergleichbare Armutsgrenze. Dazu braucht man erstmal das Medianeinkommen. Das ist der Betrag, bei dem das Einkommen der einen Bevölkerungshälfte darüber liegt, das der anderen darunter. In Deutschland liegt das Medianeinkommen je nach Jahr bei etwa 2.000-2.200 Euro netto im Monat.
Alleinlebende, die weniger als 60 Prozent von diesem Medianeinkommen zur Verfügung haben, gelten als armutsgefährdet. Oder anders gesagt: Wer weniger als 1.200-1.300 Euro im Monat hat, steht im Vergleich zu den anderen arm da – und kommt wahrscheinlich kaum über die Runden.
Was ist mit den Auszubildenden?
Machst du eine Ausbildung? Dann liegt deine Ausbildungsvergütung ziemlich sicher unter der Armutsgefährdungsgrenze. Zumindest theoretisch. Sagen wir, du hast zu Hause ein Zimmer, für das du in einer WG 400 Euro zahlen müsstest, dann musst du das zu deinem Einkommen dazu rechnen. Ebenso das Essen, das du dir aus dem Kühlschrank der Eltern nehmen kannst. Dennoch gelten viele Lehrlinge als armutsgefährdet. Genau wie die Studierenden.
Arme Student:innen, gute Aussichten
Wenn du studierst, liegst du mit 1.100 Euro im Monat im Durchschnitt. Von diesem Geld musst du alles bezahlen: Wohnung, Essen, Kleidung, Lernunterlagen. Bist du deshalb arm?
Zwar lebt circa zwei Drittel der Studierenden tatsächlich unter der Armutsgrenze, doch fühlen sich 43 Prozent nicht arm.
Es kommt auf die Perspektive an!
Der Grund könnten die Perspektiven sein: Nach den mageren Uni-Jahren werden die frisch gebackenen Akademiker:innen sehr wahrscheinlich einen überdurchschnittlich gut gezahlten Job bekommen. Genauso wie Auszubildende, die später als Fachkräfte gut verdienen können. (Wenn du es nicht eh schon wüsstest, könnten wir jetzt nochmal sagen: Bildung lohnt sich! Lernen, durchhalten!)
Anders ist das, wenn du dich in die Lage einer oder eines über 50-jährigen Langzeitarbeitslosen versetzt: Sie oder er hat bis an ihr oder sein Lebensende wohl kaum mehr eine Chance darauf, nicht jeden Cent umdrehen zu müssen. Jede Anschaffung wie etwa der Ersatz eines kaputten Haushaltsgeräts oder eines warmen Mantels ist ein Riesenproblem. Die Wohnung muss vielleicht ungeheizt bleiben, und Geld fürs Ausgehen mit Freundinnen und Freunden ist sowieso keins da.
Zum Kuckuck mit dem Existenzminimum!
In Deutschland spricht man beim Existenzminimum häufig vom Bürgergeld bzw. dem sozialrechtlichen Mindestbedarf. Dieses soll das Lebensnotwendige sichern – also Kosten für Ernährung, Kleidung, Wohnen und persönliche Bedürfnisse. Der monatliche Regelsatz für alleinstehende Erwachsene liegt aktuell bei rund 560 Euro. Die Kosten für Unterkunft und Heizung werden zusätzlich übernommen, soweit sie angemessen sind. Trotzdem leben viele Menschen am Existenzminimum – besonders dann, wenn sie Schulden haben oder unerwartete Ausgaben dazukommen.
Quellen
EU SILC
Statistik der Europäischen Union über Einkommen und Lebensbedingungen
Länderdaten.info
Durchschnittliches Einkommen weltweit







