Wer bestimmt, wie viel Geld es gibt?
Es gibt wesentlich mehr Geld auf der Welt, als Münzen und Scheine zusammengezählt. Hä? Wie kann denn das sein?
Lizenz zum Gelddrucken
In Deutschland – wie in allen Ländern der Eurozone – bestimmt die Europäische Zentralbank (EZB), wie viele Euro-Scheine und -Münzen insgesamt in Umlauf gebracht werden.
Die nationalen Zentralbanken, wie die Deutsche Bundesbank, drucken die Banknoten. Die Münzen werden von staatlichen Stellen geprägt.
Das war nicht immer so: Erst im 19. Jahrhundert wurde das Recht, Geld zu drucken, zentralen Banken übertragen. Seit 1998 ist die EZB die gemeinsame Zentralbank der Eurozone und arbeitet eng mit den nationalen Zentralbanken zusammen.
Ende 2021 waren laut EZB rund 1,58 Billionen Euro in Form von Bargeld im Umlauf. Das klingt viel – ist aber nur ein kleiner Teil der gesamten Geldmenge.
Von M0 bis M3
Das Bargeld, das in Umlauf ist, bildet die Geldbasis, von Profis ‚M0‘ genannt (M steht für ‚money‘, Englisch für Geld). Zur Geldbasis M0 gehört auch das Zentralbankgeld, das die ’normalen‘ Banken (Geschäftsbanken) bei der EZB beispielsweise als Mindestreserve hinterlegen müssen. M0 ist die kleinste von vier Gruppen: M0, M1, M2 und M3.
Zur nächsten Stufe – M1 – zählen alle Sichteinlagen und das Bargeld von Nichtbanken. Nichtbanken sind zum Beispiel wir: Du, deine Familie (also Privathaushalte), aber auch Unternehmen und der Staat. Sichteinlagen sind Kontoguthaben, die jederzeit fällig sind (heißt: man kann sie jederzeit abheben bzw. verbrauchen). Hast du beispielsweise 50 Euro auf dem Konto (Sichteinlage!), zählen diese 50 Euro zur Geldmenge M1, aber nicht zu M0, weil du ja deine 50 Euro nicht im Portemonnaie hast. Zu M1 gehören im Gegensatz zu M0 auch nicht das Zentralbankgeld und das Bargeld, das in den Tresoren der Geschäftsbanken liegt.
Das meiste Geld gibt’s nur auf Konten
Der größte Teil des Geldes existiert gar nicht in bar. Wir bekommen unser Gehalt aufs Konto, bezahlen Miete und Rechnungen digital und zahlen oft kontaktlos im Supermarkt.
Dieses Geld nennt man Giralgeld oder Buchgeld.
Deshalb ist die Geldmenge M1 deutlich größer als das Bargeld. In der Eurozone umfasst sie viele Billionen Euro.
M2 umfasst M1 plus Sparguthaben mit kurzer Laufzeit.
M3 umfasst zusätzlich noch bestimmte Wertpapiere und weitere Geldanlagen. Diese Geldmenge ist am größten und wird oft genutzt, um die Geldentwicklung insgesamt zu beurteilen.
Wie viel Geld es gibt, hängt auch von Privatpersonen ab
Die Geldmenge M3 wächst mit jedem Kredit, den man bei einer Bank aufnimmt. Der Grund: Das verliehene (Giral-)Geld wird zwei Mal verbucht. Ein Beispiel: Ein Mann bekommt von der Bank einen Kredit über 200.000 Euro und hat diesen Betrag dann auf dem Konto. Die Bank hat zugleich aber eine Forderung von 200.000 Euro (plus Zinsen) in ihren Büchern stehen. Dadurch wächst M3 um 200.000 Euro an, bis der Mann den Kredit wieder zurückgezahlt hat.
Kompliziert? Das ist verständlich, denn Geldschöpfung ist ein Kapitel für sich. Lies mehr in Kredite: Es werde Geld!
Eurozone
Zur Eurozone gehören 19 der insgesamt 27 EU-Staaten, deren gesetzliche Währung der Euro ist. Diese Länder sind: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien und die Republik Zypern.







