Was ist die Kalte Progression?
Über eine Gehaltserhöhung freut sich wahrscheinlich jede:r. Mindestens genauso sehr müsste sich das Finanzministerium freuen. Und das liegt an der Kalten Progression. Denn die ist nichts anderes als eine versteckte Steuererhöhung.
Wer mehr verdient, zahlt mehr Steuern
Auch in Deutschland gibt es ein progressives Steuersystem. Das bedeutet: Wer mehr verdient, zahlt anteilig höhere Steuern. Das klingt zunächst gerecht – schauen wir uns das genauer an.
Die Einkommensteuer wird in Deutschland in mehreren Stufen berechnet. Es gibt einen Grundfreibetrag (der steuerfrei ist), danach steigt der Steuersatz schrittweise an – bis zum sogenannten Spitzensteuersatz.
Einkommenssteuer einfach zum Nachrechnen
Angenommen, Anna verdient 23.000 Euro brutto im Jahr. Ein Teil ihres Einkommens bleibt steuerfrei (Grundfreibetrag). Für den restlichen Betrag zahlt sie Einkommensteuer, die mit steigendem Einkommen zunimmt.
Das bedeutet: Nicht das gesamte Einkommen wird mit einem festen Prozentsatz besteuert, sondern nur die jeweiligen Teile in den entsprechenden Tarifstufen.
‚Steuer auf die Inflation‘
Gehälter und Löhne steigen oft, um die Inflation auszugleichen. Doch genau hier setzt die kalte Progression an:
Wenn dein Einkommen steigt, kannst du in eine höhere Steuerstufe rutschen – selbst dann, wenn du real (also nach Abzug der Inflation) gar nicht mehr Kaufkraft hast.
Ein Teil deiner Gehaltserhöhung wird also durch höhere Steuern aufgezehrt.
Das Problem entsteht, wenn die Grenzen der Steuerstufen nicht ausreichend an die Inflation angepasst werden.
Dann passiert Folgendes:
Du verdienst mehr Geld (nominal), rutschst aber in einen höheren Steuersatz – obwohl du dir real nicht mehr leisten kannst. Das nennt man kalte Progression.
Wird das in Deutschland angepasst?
In Deutschland werden die Steuertarife regelmäßig angepasst, um die Auswirkungen der kalten Progression abzumildern. Dennoch bleibt das Thema politisch umstritten, da die Anpassungen nicht immer vollständig die Inflation ausgleichen.







