Wer hat, dem wird gegeben
Wer arm ist, bleibt meist arm. Und wer schon genug hat, bekommt noch mehr. So sieht die aktuelle Entwicklung aus. Gut ist das aber für niemanden.
Das klingt unfair: Studien – zum Beispiel der Deutschen Bundesbank – zeigen, dass Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt ist. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt einen großen Anteil des gesamten Vermögens.
Ein altes Sprichwort sagt: Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. Das gilt auch fürs Geld. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das stellt auch die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in einem Bericht fest.
Auch in Deutschland haben sehr vermögende Menschen ihr Vermögen in den letzten Jahren stark vergrößert. Während viele Menschen während der Corona-Pandemie finanzielle Einbußen oder sogar Jobverluste hinnehmen mussten, konnten besonders Reiche ihr Vermögen weiter steigern.
Zwei Drittel haben kaum Reserven
Im Gegensatz dazu haben viele Menschen in Deutschland nur geringe Rücklagen. Ein großer Teil der Bevölkerung hat wenig Ersparnisse oder ist sogar verschuldet.
Schaut man sich die Entwicklung weltweit an, wird die Ungleichheit noch deutlicher: Das Vermögen der reichsten Menschen wächst stark, während viele andere kaum profitieren oder sogar verlieren.
Aber warum ist das so?
Die meisten Menschen verdienen ihr Geld durch Arbeit, bekommen also Löhne oder Gehälter. Diese sind aber in den letzten Jahren nicht besonders stark gestiegen. Die Superreichen konnten in der Corona-Pandemie ihren Anteil am globalen Vermögen vergrößern. Gleichzeitig rutschten hunderte Millionen Menschen weltweit in extreme Armut.
Reiche tun sich da leichter: Sie profitieren davon, dass die Politik ‚die Wirtschaft ankurbeln will‘ und daher Investitionsanreize gibt. Ihr Vermögen legen sie geschickt an: Sie investieren in Luxusimmobilien, die die Reichen kaufen, die immer reicher werden, und in Aktien, wenn die Kurse steigen.
Wie misst man die Unterschiede?
Es gibt viele Verfahren, um die Einkommens- und Vermögensunterschiede zu messen. Eine verbreitete Methode ist der so genannte Gini-Koeffizient. Liegt er bei 0, haben alle ungefähr gleich viel. Liegt er bei 1, sind die Einkommen vollkommen ungleich verteilt. Dies ist aber nur ein theoretischer Fall der bedeutet, dass eine einzige Person sämtliche Einkommen eines Landes erhält und alle anderen leer ausgehen.
In der Realität gibt es das nicht wirklich. In den Ländern mit der größten Ungleichheit liegt der Gini-Koeffizient im Bereich von 0,7 und darunter. Das sind meist Entwicklungsländer mit einer ganz kleinen reichen Obersicht. In Europa sind Gini-Koeffizienten zwischen 0,2 und 0,4 normal.
Auch in Deutschland zeigt sich, dass die Ungleichheit in den letzten Jahren eher zugenommen hat.
Na, und? Solange es mir gut geht …
Auf eine Gesellschaft wirkt sich die ungleiche Verteilung des Geldes schlecht aus: Die Kriminalität steigt, das Umweltbewusstsein sinkt, soziale Unterschiede werden größer. Es wird einfach unkuscheliger.
Und ungesünder. Je ungleicher das Geld in einer Gesellschaft verteilt ist, desto mehr Krankheiten gibt es. Und die treffen laut verschiedener Studien nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen stärker.
Wenig Chancen auf Veränderung
Mit dem Geld werden auch die Chancen ungleich verteilt. Kinder aus armen Familien bleiben viel wahrscheinlicher arm als solche aus besser gestellten Häusern. Auch das ist in vielen Studien untersucht worden. Organisationen wie die Armutskonferenz setzen sich für eine Politik ein, die die Armut bekämpft.
Links
- Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband informiert umfassend über Armut und soziale Ungleichheit in Deutschland Deutscher Paritätische Wohlfahrtsverband
- OECD(Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) über Ungleichheit.







